Der Halden- und Pingenzug auf dem Schweizergang

MONTANREGION ERZGEBIRGE/KRUŠNOHOŘÍ

Zur Darstellung aller erwähnten, unverwechselbaren Merkmale des Erzgebirges wurden auf tschechischer und auf sächsischer Seite des Erzgebirges insgesamt 85 über das ganze Gebirge verteilte Bestandteile für die Eintragung in der Liste des Welterbes ausgewählt.

Der Halden- und Pingenzug auf dem Schweizergang ist ein außergewöhnliches Beispiel für eine Bergbaulandschaft, die im 16. Jahrhundert durch den Abbau eines reichen silberhaltigen Gangs direkt von der Oberfläche aus mittels Dutzender meist seichter, dicht beieinander liegender Schächte entstand. Es handelt sich um einen der größten kontinuierlich erhaltenen frühneuzeitlichen Halden- und Pingenzüge Europas.

Der Schweizergang wurde 1526 entdeckt. Nach dem Kühgang war er der zweitertragreichste Gang des Jáchymover Reviers. Bis 1589 wurden in 31 Gruben auf diesem Gang rund 30 t Silber gewonnen. Während des zweiten Bergbaubooms im 18. Jahrhundert und später wurden nur tiefere Bereiche dieser Gangstruktur abgebaut. Die Bergbaulandschaft an der Oberfläche blieb somit intakt.

Der Schweizergang gehört zur Gruppe der Nörd-Süd-streichenden Gänge („Mitternachtsgänge“). Der Aufschluss dieses Gangs befand sich über Nové Město (Ortsteil von Jáchymov), knapp unter der heutigen Straße von Mariánská in Richtung der sog. „Abertamy Kreuzung“. Der gesamte Verlauf des Gangs ist von einer breiten, über 2 km langen Zone mit dicht nebeneinander liegenden Halden geprägt. Die reichste Mineralisierung und somit die größte Konzentration alter Grubenbaue befand sich an Kreuzungen mit den Ost-West-streichenden Gängen (z.B. den Morgengängen Geyer, Elias und Dorothea). Der Schweizergang erreicht eine Mächtigkeit bis 150 cm, er ist jedoch von mehreren Trümer begleitet, die ebenfalls direkt von der Oberfläche aus geschürft wurden. Der Haldenzug ist daher bis zu mehreren Dutzend Metern breit, was ungewöhnlich ist. Die meisten Halden verfügen über charakteristische trichterförmige, bis zu 8 m tiefe Vertiefungen (Pingen) an der Oberfläche, bei denen es sich um die Mundlöcher von zugeschütteten Förderschächten handelt. Es gibt hier mehr als hundert dieser Halden und Pingen.

Gemäß der Joachimsthaler Bergordnung bildeten die Schächte, die an der Stelle eines Erzfundes abgeteuft wurden (sogenannte Fundgruben), das Zentrum eines etwa 84 m langen und 14 m breiten Grubenfeldes. Zu beiden Seiten der Fundgrube wurden dann Grubenmaße von ca. 56 x 14 m vermessen. Da diese Maße nur klein waren, wurden die Aufschluss-Bereiche eines Erzgangs mit Dutzenden kleinerer Schächte bedeckt, die nahe beieinander liegen.

Derzeit sind die Halden meistens mit Bäumen bewachsen. Nur im südlichen Teil des Gangs formen einige Halden markante Formationen, die von Wiesen umgeben sind. Als bedeutendes Phänomen ist der Haldenzug auf dem Schweizergang auch auf vielen Revierkarten des 18. und 19. Jahrhunderts eingezeichnet.