UNESCO-Welterbe

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Das Erzgebirge auf dem Weg zum UNESCO-Welterbe

In der sächsischen Metropole Dresden fand am 20. Januar 2014 ein bedeutendes Ereignis statt. Der sächsische Innenminister Markus Ulbig und der tschechische Kulturminister Jiří Balvín unterzeichneten die gemeinsame Dokumentation zum deutsch-tschechischen Antrag auf Eintragung der "Montanen Kulturlandschaft Erzgebirge/Krušnohoří" in die UNESCO-Liste des Welterbes. Mit diesem feierlichen Akt fanden die mehr als 15 Jahre währenden Vorbereitungsarbeiten, deren Ziel die Aufnahme des Erzgebirges unter die größten Schätze des Weltkulturerbes war, ihren Abschluss.

Mit dem Brief vom 28. Februar bestätigte das Welterbezentrum in Paris offiziell die Annahme der Nominierungsdokumentation und deren Vollständigkeit mit dem Hinweis, dass nach dem 1. Februar 2015 mit der Bewertung des Antrags begonnen werden kann. Über die Eintragung des Erzgebirges in die UNESCO-Liste des Welterbes würde dann im Sommer 2016 entschieden – und wie wir hoffen, positiv.

Was macht das Erzgebirge so einzigartig und warum sollte es einen Platz an der Seite anderer namhafter Welterbestätten zugewiesen bekommen, wie den Pyramiden von Gizeh, der Chinesischen Mauer oder dem historischen Stadtzentrum von Prag? Nun, Gründe dafür gibt es eine ganze Reihe, doch lässt sich der Kern des außergewöhnlichen universellen Wertes der Montanlandschaft Erzgebirge in drei Hauptpunkte zusammenfassen.

Eine außergewöhnliche Vielfalt der vorhandenen Rohstoffe

Das Erzgebirge nimmt weltweit eine absolute Ausnahmestellung ein, was die Vielfältigkeit der metallischen und nichtmetallischen Rohstoffe anbelangt, die hier auf relativ kleinem geografischem Raum vorkommen, angefangen bei Silber, Zinn, Blei und Eisen, über Kobalt, Wismut, Nickel und Wolfram, bis hin zu Steinkohle und Uran.

Eine sehr weit zurückreichende Bergbaugeschichte

Die Rohstoffgewinnung und -verarbeitung fand im Erzgebirge über einen ungewöhnlich langen Zeitraum von mehr als acht Jahrhunderten statt (vom 12. Jahrhundert bis zur Gegenwart). In dieser Zeit entstand eine Montanlandschaft von weltweiter Bedeutung, die in einzigartiger Weise die stetig fortschreitende Entwicklung der Abbau- und Verhüttungsmethoden, aber auch den Einfluss des Bergbaus auf die Entwicklung der Region und deren Kultur illustriert.

Eine große Anzahl an erhaltenen Montandenkmalen

Im Zusammenhang mit dem Abbau und der Verarbeitung von Rohstoffen im Erzgebirge entstanden zahlreiche Montan-, Industrie- und Architekturdenkmale (Kategorien), die bis heute erhalten geblieben sind. Darüber hinaus ist eine Vielzahl von immateriellen, kulturellen Werten aus der Entwicklung des Montanwesens hervorgegangen.

Kategorien (K) der historischen Montandenkmale, die die Montane Kulturlandschaft Erzgebirge/Krušnohoří charakterisieren

  • K1 - Sachzeugen der Rohstoffgewinnung und -verarbeitung

    Typische, mit dem Bergbau zusammenhängende Untertage- und Tagebaudenkmale, wie z. B. Schächte und Stolln, Halden und Pingen, Hütten und Aufbereitungsanlagen sowie sonstige Betriebsgebäude.
  • K2 - Montane Infrastruktur

    Anlagen, die die Rohstoffgewinnung und -verarbeitung ermöglichen, z.B. Wasser- und Floßgräben, Wasserreservoirs (Kunstteiche) sowie Transportwege.
  • K3 - Bergbaulandschaften

    Ausgedehnte Landschaftsareale, die Spuren der Rohstoffgewinnung und -verarbeitung aufweisen.
  • K4 - Bergbaufolge-, Nebengewerbe und Folgeindustrien

    spezifische Industrien, die sich im Erzgebirge im Zusammenhang mit dem Abbau entwickelten – wie z. B. die Produktion von blauer Kobaltfarbe – oder Gewerbe, die parallel zum Abbau von Rohstoffen entstanden – z. B. das Schnitzerhandwerk und das Spitzenklöppeln.
  • K5 - Bergbausiedlungen mit ihren sozialen und administrativen Strukturen

    Denkmäler, die die Entwicklung der Bergstädte, aber auch der kleineren Ortschaften des Erzgebirges mit allen ihren sozialen, administrativen, industriellen und kulturellen Aspekten belegen.
  • K6 - Stätten von besonderer montanwissenschaftlicher Bedeutung

    Orte, die die globale Bedeutung des Erzgebirges für die Entwicklung der Montan- und Geowissenschaften belegen.

Assoziierte kulturelle Werte (H), die für die Montane Kulturlandschaft Erzgebirge/Krušnohoří spezifisch sind

  • H1 - Die grenzüberschreitende Bedeutung der montanen Kulturlandschaft

    Die erhaltenen Denkmale belegen in anschaulicher Weise die gemeinsame Entwicklung der Montanregionen in Böhmen und Sachsen, die jahrhundertelang durch enge Bande verbunden waren.
  • H2 - Die landes- und grundherrschaftliche Bedeutung des Montanwesens

    Die Entfaltung des Bergbaus trug wesentlich dazu bei, dass die Markgrafschaft Meißen (und später das Herzogtum, Kurfürstentum und Königreich Sachsen) ebenso wie das Königreich Böhmen zu einer wirtschaftlich, kulturell und politisch bedeutenden Region Mitteleuropas wurden. Der Bergbau war die treibende Kraft des wirtschaftlichen Aufschwungs der Region. Er führte zu einem Anstieg der Bevölkerungszahlen und so zu Entstehung von städtischen Siedlungen.
  • H3 - Der überregionale und internationale Einfluss des erzgebirgischen Montanwesens im Bereich Bildung, Wissenschaft und Technik

    Keine andere Bergbauregion in der Welt hat zur Entwicklung der Montan- und Geowissenschaften sowie zur Entstehung und Entwicklung der Ausbildung im Montanwesen so viel beigetragen wie das Erzgebirge. Es ist untrennbar verbunden mit dem Wirken "des Vaters der Mineralogie und der Lagerstättengeologie" Georgius Agricola (1494-1555), mit der Gründung der weltweit ersten und bis heute noch existierenden Montanuniversität in Freiberg (1765) sowie mit Dutzenden von international bedeutenden, technischen und wissenschaftlichen Entdeckungen. Das Erzgebirge, das spätestens im 16. Jahrhundert zum weltweit bedeutendsten Zentrum der Erzgewinnung avancierte, beeinflusste auch die Entwicklung anderer Bergbauregionen in Europa und im Rest der Welt.
  • H4 - Kunst, Kunsthandwerk, Musik und Literatur

    Die Bergbau- und Verhüttungsaktivitäten bildeten über Jahrhunderte hinweg das wirtschaftliche Fundament für künstlerische Tätigkeiten. Dabei waren sie gleichzeitig das zentrale Motiv für die sakralen und weltlichen Kunstwerke in dieser Region – angefangen vom Bauwesen und der Architektur, über die Malerei, Grafik, Bildhauerei und Kunsthandwerk bis hin zu Musik und Literatur.
  • H5 - Volkskunst und Brauchtum

    Ganz typisch für das Erzgebirge sind Formen der Volkskunst, die in vielerlei Hinsicht aus dem Bergbauwesen hervorgehen und von ihm beeinflusst sind, wie z.B. die traditionelle Holzbearbeitung und Textilherstellung, Volksdichtung und Musik oder die zahlreichen Bergbautraditionen, die in dieser Region noch heute gelebt und an künftige Generationen weitergegeben werden.

Erzgebirgische Bergbauperioden

  • 1. Phase: Anfänge des Bergbaus (1168–1450)

  • 2. Phase: Blütezeit des Bergbaus und Städtegründungen (1450–1620)

  • 3. Phase: Erneuerung des Bergbaus nach dem Dreißigjährigen Krieg (1620–1750)

  • 4. Phase: Einsetzende Industrialisierung (1750–1850)

  • 5. Phase: Liberalisierung des Bergbaus (1850–1945)

  • 6. Phase: Bergbau in Zeiten des Sozialismus (1945–1990)

  • 7. Phase: Neuer Aufschwung des Bergbaus (1990 bis heute)

Zur Darstellung aller erwähnten, unverwechselbaren Merkmale des Erzgebirges wurden auf tschechischer und auf sächsischer Seite des Erzgebirges insgesamt 85 über das ganze Gebirge verteilte Bestandteile für die Eintragung in der Liste des Welterbes ausgewählt. Diese Bestandteile belegen nicht nur die Rohstoffgewinnung und -verarbeitung während der insgesamt historisch bekannten Entwicklung ab dem 12. Jahrhundert bis in unsere Gegenwart, sondern darüber hinaus auch andere Aspekte der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung der Region. Sie ermöglichen somit eine komplexe Sicht auf das Leben und die Arbeit der Bewohner des Erzgebirges im Laufe vieler Jahrhunderte.

Von den 85 Bestandteilen befinden sich 79 auf dem Gebiet des Freistaates Sachsen und sechs auf dem Gebiet der Tschechischen Republik. Dieser quantitative Unterschied bezüglich der Anzahl der Bestandteile hängt einerseits mit den unterschiedlichen Denkmalschutzbestimmungen in der Tschechischen Republik und im Freistaat Sachsen, andererseits mit der dichteren Besiedlung und der Verteilung der Montandenkmale auf einem größeren Raum im sächischen Erzgebirge zusammen. Die Definition und der Charakter der einzelnen Bestandteile weisen daher auf den jeweiligen Seiten der Grenze in mancherlei Hinsicht Unterschiede auf.

Die sächsischen Bestandteile haben in der Regel eine geringe flächenmäßige Ausdehnung. Die 79 nominierten Stätten verteilen sich auf die Fläche von acht Bergbaugebieten. Dazu gehören die sechs historischen Erzreviere, wie sie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts festgelegt wurden (Bergbaugebiete Altenberg, Freiberg, Marienberg, Annaberg, Schneeberg und Schwarzenberg), sowie die zwei wichtigen Steinkohlen- und Uranbergbaugebiete aus dem 20. Jahrhundert. Die acht sächsischen Bergbaugebiete untergliedern sich des Weiteren in 39 regionale Elemente, die kleinere, lokale Bergbaugebiete mit ihren charakteristischen Strukturen wie Bergbausiedlungen, montane Infrastruktur oder Montanlandschaften und Grubenkomplexe dokumentieren. Im Rahmen dieser Bergbaugebiete und -elemente sind dann die einzelnen Bestandteile definiert, die Denkmale unterschiedlichen Charakters – darunter Gebäude, Gebäudegruppen, Stadt- und Montanlandschaften oder lineare Anlagen (z. B. Kunstgräben) – repräsentieren.

Im Gegensatz dazu umfassen die Bestandteile auf dem Gebiet der Tschechischen Republik drei ausgedehnte Landschaftsareale an Orten bedeutender Erzreviere sowie die entsprechenden Bergstädte. Darunter die Montane Kulturlandschaft Jáchymov, die Montane Kulturlandschaft Abertamy – Boží Dar – Horní Blatná und die Montane Kulturlandschaft Krupka. Außerdem drei Areale einer montanen Infrastruktur bzw. Montanlandschaften von geringerer flächenmäßiger Ausdehnung, so der Rote Turm des Todes bei Ostrov, die Montanlandschaft Vrch Mědník und das Areal des Kalkwerkes in Háj bei Loučná pod Klínovcem. Bestandteil der drei ausgedehnten Landschaftsareale sind drei lokale Bergbaulandschaften, städtische Komplexe und einzelne Montandenkmale.

Alle 85 Bestandteile wurden sorgfältig ausgewählt, um den prägenden Einfluss der jahrhundertelangen Bergbauaktivitäten auf die Entwicklung der besonderen Landschaft und der mit ihr verbundenen Gesellschaft zu bezeugen. Jeder Bestandteil wird charakterisiert durch eine spezifische Kombination der drei bestimmenden Hauptmerkmale: der Vielfalt der abgebauten Rohstoffe, einer zeitlichen Tiefe von mehr als 800-jährigen Bergbaugeschichte und der Anzahl der erhalten montanen, industriellen oder kulturellen Sachzeugen in Verbindung mit immateriellen, kulturellen Werten. Die hohe Anzahl der Bestandteile war notwendig, um alle spezifischen Merkmale der Montanen Kulturlandschaft Erzgebirge/Krušnohoří, die zu ihrem außergewöhnlichen universellen Wert beitragen, anschaulich dokumentieren zu können. Insgesamt bleibt festzuhalten, dass es weltweit keine andere Bergbauregion gibt, die die jahrhundertelange Entwicklung einer Bergbauregion so umfasssend dokumentiert wie die Montane Kulturlandschaft Erzgebirge/Krušnohoří.

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